Die Nadel sinkt herunter, liegt schließlich auf der Platte auf. Ein paar wenige Drehungen, und die ersten Töne erklingen. Routinierte Handgriffe, fast wie ein Ritual.
Die Musik lässt uns hinabgleiten, eintauchen in unsere Gedanken, in vergangene Momente.
Mit Musik fühlen wir uns sicher, fernab vom alltäglichen Chaos, von der Furcht, der Angst. Ein bestimmtes Lied, das einen Augenblick festhält, wie mit einer Zeitmaschine reisen wir zurück, dorthin, wo Bitterkeit und Angst keinen Auftritt haben, wo das Licht noch wie Wärme scheint und nicht wie der dauernd wiederkehrende Beginn eines neuen verachteten Tages.
Das Lächeln war ehrlich, die Grimasse von heute zeichnet sich dort nicht ab. Die Erinnerungen sind verschwommen, aber sie sind da, fast greifbar.
Warme Hände, die sich umschließen und ein Gefühl von Geborgenheit vermitteln, damals; dort, wo heute nur noch Scherben sind.
Eine leichte Berührung, ein Kuss, die Welt dreht sich, ein leises Kratzen, plötzlich springt die Nadel, die Musik verzerrt sich, die Liebenden werden auseinander gerissen, das Kratzen bleibt.
Das Chaos kehrt wieder und mit ihm die Furcht. Herausgerissen aus dem Traum, wie ein Kind aus den Armen seiner Mutter, unerbittlich, unermüdlich, immer wieder.
Ein Kreislauf, und kein Ende in Sicht; das Kinderkarussell auf dem Jahrmarkt, es dreht sich, Runde für Runde, doch statt langsamer zu werden wird es nur schneller und die Figuren werden zu verschwommenen Gestalten aus grellen Farben. Die Vergnügungsfahrt endet im Höllenritt und reißt alles mit sich. Was vorher noch klar und verständlich war, endet jetzt in dem Chaos das uns Tag für Tag wiederbegegnet, und bei dem Versuch aufzuräumen fegt ein plötzlich aufkommender Orkan die mühsam geordneten Gedanken wieder beiseite.
Der Albtraum als ständiger Begleiter der Existenz, als gäbe es kein Morgen, doch der nächste Tag kommt und während die verräterischen Sonnenstrahlen diesen einläuten, werfen sie ihren Schein auf den Plattenspieler, dessen Silhouette höhnische Schatten wirft.
A. (28.08.09)