Koffein
Ruhelos, rastlos streicht man die kalten Zimmerwände mit den Augen ab, die Müdigkeit scheint überwältigend und dennoch bleibt der Schlaf verwehrt. Der Blick wandernd in der bedrückenden Kargheit des Abends, während von draußen wieder Nachbars wütende Schreie ertönen, weil die Katze mal wieder in den Garten geschissen hat.
Einigen Leuten kann man es nie Recht machen, am Wenigsten sich selbst, wenn man sich gelangweilt, frustriert der eigenen Lethargie hingibt ohne wirklich die Augen schließen, abschalten, vergessen zu können.
Tausend rohe Gedanken, ungeschliffen, unbearbeitet, die verweilen und in beängstigender Selbstständigkeit ihre Netze aus Verwirrung und Angst spinnen.
Im Schlaf werden diese Gedanken zum Jäger, und die Netze zum Gefängnis.
So verharrt man, übermüdet, aus Angst sich den eigenen Emotionen hinzugeben und Kontrollverlust zu erleiden.
Ein Kaffee wird es richten, ein Kaffee und eine Zigarette, gegen die Augenränder, die untrügerisch den eigenen Verfall dokumentieren und uns das Alter ins Gesicht zeichnen. Doch der Koffein verfehlt seine Wirkung, zu oft schon wurde er als Mittel missbraucht, umsonst, vergebens.
An Tagen, an denen die Furcht zu groß ist um sich fallen zu lassen, an denen die Jäger womöglich zu Mördern werden, bleibt man lieber wach, den Blick starr auf die Wand gehaftet, als würde die ultimative Lösung des Übels aus ihr herausspringen. Doch die Wand bleibt kahl, unverändert, so kalt, so weiß, fast höhnisch strahlt sie entgegen. Sie lacht uns aus, als kenne sie das Geheimnis, das uns verborgen bleibt und wir bleiben weiterhin ruhelos, trinken Kaffee im Akkord, obwohl wir wissen, es ist sinnlos.
A. (26.08.09)
